Nachtrag…

… eher zum Schmunzeln oder was?!

Wie bekannt mussten Beat und ich am Samstag 30.9. zurückfliegen. Die Abflugzeit war mit 9.30 Uhr angegeben, so hätten wir im Hotel um 6.30 Uhr aufbrechen sollen. Som wollte ausdrücklich mit einem Jeep um 6 Uhr erscheinen, um uns zu begleiten… Um 6.15 Uhr war er immer noch nicht eingetroffen, Anrufe auf sein Natel blieben bis kurz vor 7 Uhr unbeantwortet. Beat und ich wurden langsam unruhig. Pradeep, der Hotelbesitzer und ein guter Freund von uns, bestellte uns um 7 Uhr ein Taxi, mit dem wir „was gisch, was häsch“ zum Flughafen fuhren. Bis kurz vor dem Start konnte ich keine Verbindung zu Som aufbauen und wilde Spekulationen schossen bei uns ins Kraut, was denn bloss mit ihm los sei, da er eigentlich zuverlässig ist.

Bei der Zwischenlandung in Muskat (etwa 2 Uhr nachmittags Kathmandu Ortszeit) nahm Som denn endlich meinen Anruf entgegen. Es täte ihm furchtbar leid, aber er hätte keine Chance gehabt, sich bei uns zu melden. Sein betrunkener Vermieter hätte am Freitagabend eine Schlägerei im Hause angezettelt, die Polizei wurde gerufen und alle Hausbewohner (inkl. Som) auf die nächste Wache abgeführt. Vorgängig wurde allen verboten, die Handys mitzunehmen. Und war es Som unmöglich, uns zu informieren oder abzuholen. Als er gegen 10 Uhr morgens wieder zu Hause eintraf, versuchte er natürlich vergebens, mich anzurufen. Per Telefon teilte er mir gestern mit, dass er wohlauf sei und keine weiteren Konsequenzen zu fürchten habe, wohl aber sein Vermieter… Dieser Vermieter hatte Som die Wohnung eh auf Ende November gekündigt. Som hat gestern schon eine neue gefunden und heute schon sei er am Zügeln… Ich habe ihm darauf aufmerksam gemacht, dass er sich glücklich schätzen könne, dass er diesen Typ von Vermieter so schnell losgeworden sei…

Bis bald wieder…

Und wieder einmal…

… ist packen angesagt. Habe ehrlich gesagt keine Lust dazu – ich könnte genauso gerne hier bleiben. Beat freut sich auf die Rückkehr, will aber gerne wieder nach Nepal reisen. Meine Ausrüstung und auch ein Teil von Beats Sachen werden hier im Hotel Fuji gelagert. Ich werde mit Sicherheit im April/Mai 2018 wiederum nach Nepal fliegen. Som hat schon diverse Aufträge für Vorbereitungsarbeiten gefasst, unter anderem muss er nun das Research Visum endgültig besorgen, es fehlt nur noch der Stempel der Immigration. Da im Moment ja Feiertage sind, kann ich dies selber nicht mehr organisieren. An der Tribhuvan Universität kennt man Som inzwischen und ich habe ihn eine briefliche Vollmacht erteilt, dass er die Dokumente erhält und damit zur Immigration pilgern kann.

Seit letztem Donnerstag haben wir uns in Kathmandu aufgehalten, wo wegen der Feiertage oft eher Ruhe herrschte. Hier noch ein paar Impressionen:

IMG_1378.jpg

In der Altstadt von Kathmandu. Die Erdbebenschäden von April 2015 sind hier weitgehend beseitigt.

IMG_1326.jpg

In Kathmandus Nachbarstadt Bhaktapur müssen viele Gebäude als Folge der Erdbebenschäden nach wie vor unterstützt werden. Die Bausubstanz von Bhaktapurs Gebäuden ist fragiler als diejenige in Kathmandu, die altehrwürdigen Häuser in Bhaktapur wurden im April 2015 schwer in Mitleidenschaft gezogen.

IMG_1333.jpg

Auch hier ist am fleissig am Renovieren in Bhaktapur.

IMG_1368.jpg

Auch die grösste Stupa der Welt in Bouddhanath wurde inzwischen wieder instand gestellt.

IMG_1314.jpg

Zu Beats Leidwesen musste dies für ihn und für mich in Kathmandu sein: Fitnesstraining in einem Studio in Thamel… Wie ich auch schon berichtet habe, präsentiert sich mein Thorax mittlerweile instabil als Folge der unterlassenen Rehabilitation nach der offenen Embolektomie (und deshalb Sternotomie) vom 19. Januar 2007. Eigentlich könnte ich mich ja über ein zweites geschenktes Leben freuen. Nun ja, die Freude ist leider nicht allzu gross. Ich bin nach wie vor in der CH im Balgrist movemed im Aufbautraining, gehe auch regelmässig ins Fitnessstudio hier in Kathmandu und übe nur an den Geräten, die ich kenne. Nach wie vor ist Bewegung besser als immobile Zustände wie Sitzen oder Stehen. Ich hatte oft auch Probleme mit dem Rucksack tragen auf Expedition, infolge der Instabilität und Muskelschwäche bzw. Schmerzen des Thorax. Und dies alles nur, da ich regelrecht um die Rehabilitation 2007 betrogen wurde. So jedenfalls erscheint es mir. In der CH muss erst mal der Schmerzmittelkonsum reduziert werden (auf welche Art auch immer, Probleme mit der Krankenkasse sind vorprogrammiert), da diese sicher die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Morgen vormittag um 9.30 Uhr wird also das Flugzeug der Oman Air mit Beat und mir an Bord abheben. Um 19.25 Uhr abends (Ortszeit) werden wir in Zürich landen. Wie gesagt, werde ich im April 2018 zurückkehren und mich dann wieder melden.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

 

Die letzte Etappe von…

… Chharkhabhot nach Ghemi. Ursprünglich wollten wir ja von Chharkhabhot nach Lo Manthang, dem Hauptort des Distrikts oberes Musthang trekken. Im Moment aber ist überall Erntezeit und in Lo Manthang herrscht noch der alte Aberglaube, dass Reisegruppen, die auf der von uns gewünschten Route zwingend Erntefelder passieren müssten, Unglück in Form von Hagel bringen. Hättten wir exorbitante Wegzölle entrichtet, so hätten wir passieren können. Soviel zum Aberglauben in dieser Gegend… Die Route Chharkhabhot – Lo Manthang ist nur im Oktober/November offen, also muss ich eben das nächste Mal später aufbrechen. Da keiner von uns den Weg nach Ghemi kannte, sahen wir uns gezwungen, einen lokalen Führer anzustellen – zu einem kaum akzeptablen Lohn selbstverständlich. Aber so bauernschlau die gebürtigen Tibeter in dieser Gegend sind, wusste Tsering Purba ganz genau, dass er am längeren Hebel sass. Som jedenfalls fand seine Lohnforderungen genauso wie Beat und ich dekadent. Er verlangte 5000 Rupien (Fr. 50.-) pro Tag, Som erhält grosszügigerweise 2000 Rupien pro Tag… Tsering war ein ausgezeichneter, sehr zuvorkommender Führer, der uns oft Tee kochte und Wildgemüse suchte.

IMG_1076.jpg

Am Aufbruchstag kurz hinter Chharkhabhot. Tsering und ich lesen hier auf tibetischen Gebetsfähnchen, die in tibetischer Schrift bedruckt sind.

IMG_1079.jpg

Kurz hinter Chharkhabhot: Som, Barbara und Dik Bahadur diskutieren den weiteren Wegverlauf.

DSC_0675.jpg

Für die Maultiere in der Regel einfacher als für uns: Überquerung eines hochgehenden Flusses. Unser Gepäck ist übrigens bei solchen Aktionen nie nass geworden.

DSC_0681.jpg

Die wohl unbeliebteste Arbeit unterwegs: Graben eines WC-Loches, Errichten des Toilettenzelts. Hier Dik Bahadur, Subash und Som an der Arbeit.

IMG_1090.jpg

2. Tag im Aufstieg von Chharkhabhot zum Ghemi La, dem Pass, der den Übergang ins obere Mustang darstellt: Auf diesen mit Felsblöcken durchsetzten Wegen war kein Durchkommen für die hochbeinigen Maultiere, nur für den Menschen. Unsere Tragtiere mussten den Fluss queren und heikle, grasige Querpassagen hinter sich bringen. Tsering hatte diese Stellen unseren beiden Eseltreibern detailliert geschildert und sie waren einverstanden, mit uns zu ziehen. Sie haben die Aufgabe mit Bravour gelöst. Chhettra und Subash hatten einen ausgezeichneten Draht zu ihren Tieren und sie auch respektvoll behandelt – was in Nepal nicht immer der Fall ist.

IMG_1106.jpg

Blick ins Tal gegen Norden. Geradeaus ginge es nach Lo Manthang, wir mussten hinter der Moräne rechts im Bild nach Osten abzweigen.

IMG_1110.jpg

Moränensee im Aufstieg zum Ghemi La Pass.

DSC_0700.jpg

Beinahe endlos der Aufstieg zum Pass. Tsering hatte uns bis zum letzten Lager vor dem Pass begleitet und auch noch den Aufstieg zum Pass erkundet, vor allem den Weg für die Maultiere. Die letzten beiden Tage mussten wir den Weg selber finden, da ihn auch Tsering nicht kannte. Insgesamt waren wir 5 Tage von Chharkhabhot nach Ghemi unterwegs. Die ersten 4 Tage waren wir zwischen 3 und 6 Stunden unterwegs, am 5. deren ganze 12, die letzen beiden Stunden bei Dunkelheit…

DSC_0707.jpg

Die beiden Maultiere haben sich immer gut verstanden und waren einander oft zärtlich verbunden wie hier im letzten Lager oberhalb Ghemi.

IMG_1121.jpg

Auf dem Weg nach Ghemi an unserem letzten Tag unterwegs – 15.9.

IMG_1131.jpg

Nach stundenlangen, flachen Passagen im oberen Teil des Ghemi Kholas (wo der Einfluss des Gletschers auf die Gestaltung der Oberfläche sichtbar war), verengte sich der Fluss allmählich zu einer Schlucht.

IMG_1133.jpg

Und das hiess: Wir konnten dem Fluss nicht mehr folgen… Anstelle des relativ einfachen Wege wie bis anhin mussten wir eben wohl oder übel noch 2 Pässe überqueren und Schräghang laufen, wie hier im Bild.

IMG_1139.jpg

Diese Querungen wiederum waren heikel für unsere Maultiere. Zudem mussten wir noch einen Weg für sie durch 2 Felssturzgebiete für sie anlegen. Die Strecke Chharkhabhot – Ghemi ist wirklich nur bedingt maultiertauglich. Im Bild unser Leittier.

DSC_0718.jpg

Und um 17.30 Uhr dann endlich: Blick frei zum Dorf Ghemi! Nun wussten wir, dass wir es am selben Tag schaffen konnten, das Dorf zu erreichen. Abends um 19.45 Uhr war es dann soweit. Wir hatten es geschafft… Für den Wirt in unserem Hotel (Zimmer mit Dusche/WC!) war klar: Ganz starke Leistung, wenn man bedenkt, dass die Wege (wenn überhaupt welche vorhanden waren…) zwischen Chharkhabhot und Ghemi ausschliesslich für Einheimische angelegt waren… In Ghemi trafen wir nach dreieinhalb Wochen wieder mal auf Touristen…

IMG_1146.jpg

Unsere Mannschaft am Folgetag am Packen. Dik Bahadur, Sung Chiring, Santosh und Raj Man fuhren mit dem Jeep erst nach Jomsom, mit dem Bus weiter nach Beni und von da per Nachtbus nach Kathmandu. Chhettra und Subash zogen mit den Maultieren wieder nach Chharkhabhot und weiter nach Dunai. Som, Beat und ich wollten noch Lo Manthang besuchen. Mit dem Jeep allerdings… Die Chinesen haben schon vor Jahren eine Strasse von Kagbeni (nördlich von Jomsom) nach Lo Manthang und weiter zur tibetischen Grenze gebaut.

DSC_0719.jpg

Vom Tal links der Mitte her erreichten wir das Dorf Ghemi (nächstes Bild):

DSC_0722.jpg

Dank Bewässerungssystemen eine grüne Oase im praktisch vegetationslosen obern Mustung: Ghemi.

IMG_1161.jpg

Die Strasse oder besser Pist von zwischen Ghemi und Lo Manthang.

IMG_1173.jpg

Nach den letzten harten Tagen war auch mal wieder Lachen angesagt: Barbara schaut Som in Lo Manthang beim Wäsche waschen zu. Som hatte sich Gummihandschuhe besorgt, da ihm das Wasser auf 4000 m Höhe schlicht und ergreifend zu kalt war…

IMG_1177.jpg

Ein Teil des Ortes Lo Manthang, karge, aber wunderschöne Landschaft.

IMG_1189.jpg

Und am 18.9. hiess es dann gen Süden fahren – vorerst nach Jomsom. Unser Fahrer beim Beladen des Jeeps, Busse können auf dier Piste im oberen Mustang nicht verkehren. Neben der Piste existiert von Jomsom her noch über weite Strecken der alte Trekkingpfad.

IMG_1279.jpg

Die fahrbare Piste fiel oft angsteinflössenderweise gegen den Fluss ab und verlangte vom Jeepfahrer Können und Konzentration. Die Differentialsperre wurde häufig eingeschaltet…

IMG_1296.jpg

Die eindrücklichen Felsformationen kurz von Chhusang, dem südlichsten Dorf im oberen Mustang.

DSC_0731.jpg

Beat wieder einmal beim Packen im Hotel Tilicho in Jomsom, wo wir seit Jahren absteigen. Von Jomsom bis nach Pokhara fuhren Som, Beat und ich wiederum mit einem Jeep. Erst wollten wir fliegen, aber für all unser Gepäck hätten wir massiv „excess baggage“ bezahlen müssen und das wäre uns viel zu teuer zu stehen gekommen. Mit dem Jeep braucht man in der Regel 8 bis 9 Stunden bis Pokhara, wir hatten eine Stunde länger, da der unerfahrene Fahrer wirklich unerträglich war – wie eine Dachlast zu befestigen war, war im komplett unbekannt. Beat musste dies erledigen, sehr zu Soms Missfallen, der wieder mal der Meinung war, Nepali wüssten im eigenen Land immer alles besser. Da hat Som sich bitter getäuscht: Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit begannen die Gepäckstücke auf dem Dach sich zu bewegen, Som und der Fahrer (Mohan Gurung mit Namen) hatten diese festgezurrt. Danach fixierte Beat die Last und siehe da – alles hielt bis nach Pokhara. Das hat Som ätzende Kritik unsererseits eingetragen… Beat und ich mussten Som in Pokhara auf drastische Art klarmachen, wie fahrlässig der Jeepfahrer gehandelt hatte: Bei einem brüsken Bremsmanöver kann ein Stück der Dachlast sich zu einer Bombe entwickeln. Zudem fuhr der Typ wie ein Henker auf der schnurgeraden Strecke vor Pokhara – Som schlief zu seinem Glück.

IMG_1310.jpg

Am 21.9. dann kurz vor Kathmandu (welches wir mit einem gemieteten Minibus erreichten): Der übliche Stau…

Morgen vormittag werde ich mich nochmals melden – zum letzten Mal auf diesem Trip, denn am Samstag Morgen müssen Beat und ich leider nach Zürich zurückfliegen.

Ich kehre sicher im April 2018 zurück!

 

 

Nach Chharkhabhot…

… und das hier nervt Beat und mich genauso wie unser Nepali Team:

DSC_0610.jpg

Gaffende Kinder, oft sind es auch Erwachsene. Nun ja, so etwas wie Fernsehen gibt es in der Gegend bekanntlich nicht. So sind Reisegruppen immer wieder mal die Attraktion schlechthin. Die Saugoofen auf dem Bild trauten sich nicht, zu unseren Zelten abzusteigen, ich habe sie mit einm 200 mm Zoom photographiert. Gebettelt wird allenthalben, wir verschenken grundsätzlich nichts. Wir können schliesslich nicht ganz Dolpo durchfüttern, zudem arbeiten keine Lokalen für uns – und das schlimmste sind eh verantwortungslose Touristen, die Süssigkeiten abgeben: Da die Zahnpflege der Einheimischen als äusserst mangelhaft beschrieben werden muss und keine zähnärztlichen Institutionen vorhanden sind, machen sich unvernünftige Touristen bloss verantwortlich für Schäden am Beissapparat der Dolpali (der lokale Ausdruck für Bewohner Dolpos). Auch Som verscheucht regelmässig Einheimische, wenn sie zu nahe kommen… Beat und ich begannen auch schon, Gaffer zu photographieren, ohne um Erlaubnis zu fragen, dann sind sie jeweils blitzartig verschwunden… Selbstverständlich wollten sie uns noch vom Photographieren abhalten, worauf ich dann klargestellt habe, dass wie uns das Recht ausnehmen zu Photographieren, genauso wie sie sich das Recht ausnehmen zu gaffen…

DSC_0618.jpg

Aufstieg zum Pass Musi La (5030 m), der von Musigaon zum Dorf Shimen führt.

DSC_0620.jpg

Som auf dem Musi La Pass. Beat und Dik Bahadur kamen lange nach uns an. Es schien, dass Beat die Höhe zu schaffen machte. Insgesamt wurden wir alle bis auf einige wenige Fälle von Kopfschmerzen von Höhenkrankheit verschont. Ich hatte in all den 30 Jahren Nepal nie Probleme hiermit.

DSC_0621.jpg

Der Abstieg vom Musi La gestaltete sich im oberen Teil schwierig: Steile Halden durchsetzt mit rutschigem Staub oder Tonschiefer. Dolpo liegt abgeschirmt hinter Himalaya Ketten und wird grossenteils vom Monsun verschont. Deshalb ist es hier dermassen trocken und staubig, als Resultat intensiver Verwitterung und Wind. Die Regengüsse zu Beginn unserer Expedition waren noch geringe Ausläufer des Monsuns. Hier der Blick gegen Südosten in Richtung Dhaulagiri.

DSC_0628.jpg

Dik Bahadur (vorne) und Beat beim Abstieg vom Musi La auf rutschiger Unterlage.

IMG_1007.jpg

Die Etappe von Musigaon nach Shimen war laaang: Über 9 Stunden insgesamt, sodass Beat und Dik Bahadur als letzte auf dem Zeltplatz Mendo (etwa 1 Stunde südlich von Shimen) eintrafen. Hier erreichen die letzten Sonnenstrahlen den Zeltplatz am 5. September. Nach 5 Tagen anstrengender Wanderschaft schoben wir am Tage danach einen Rasttag ein – sehr zur Freude aller übrigens.

DSC_0631.jpg

Und am Rasttag hiess es wie immer: Antraben zum Wäsche waschen! Hier Som im Bild. Das nächste Mal werden wir Gummihandschuhe fürs kalte Wasser mitführen. Das Photo entstand wieder mit dem 200 mm Zoom, da ich zu müde war, an den Fluss hinabzusteigen… Dieser Fluss interessiert mich an anderer Stelle immer ganz besonders: Im Geröll, das er mitführt sind immer schönste Leucogranite mit Turmalinen zu finden…

DSC_0635.jpg

Und immer wieder bewundernswert schön für das geologisch geschulte Auge: Intensiv verfaltete Metasedimente (of Tonschiefer) in Mendo.

DSC_0632.jpg

Auch das war tägliches Brot: Dik Bahadur beim Wasser filtern.

DSC_0633.jpg

Auch ein typisches Bild an einem Rasttag: Man hat die Musse, Spiele zu veranstalten. Hier versucht Beat das Nepali Spiel „Tiger und Ziege“ zu verstehen… Von links: Sung Chiring, Raj Man, Beat und Santosh.

DSC_0646.jpg

Tinje, ein typisches Dorf im oberen Dolpo, ganz von tibetischer Tradition beeinflusst. Die Bewohner im oberen Dolpo stammen ursprünglich aus Tibet, sind heute Nepali Staatsbürger. Ihre Lebensweise, Sprache etc. ist jedoch tibetisch geblieben.

DSC_0658.jpg

Auf dem Mol La (5080 m), dem letzten Pass vor Chharkhabhot, einem grösseren Dorf in der Einöde des Dolpo. Von links: Chhettra, Sung Chiring, Subhas, Som und Beat.

DSC_0663.jpg

Auch die Etappe nach Chharkhabhot (von einem Zeltplatz namens Yak Karka (Nepali für: Yakweide) her) war laaang: Etwa 8 Stunden. Hier der Blick Richtung Süden zur Dhaulagiri-Gruppe.

DSC_0666

Um 3 Uhr nachmittags endlich: Chharkhabhot rück näher.

DSC_0669.jpg

In diesem „Hotel“ in Chharkhabhot kamen wir wie vor 4 Jahren unter. Die „Schlafzimmer“ befinden sich im oberen Stockwerk (wo das Holz gelagert wird) und sind nur über eine halsbrecherische Leiter zu erreichen. Beat und Som mussten erst noch ein Geländer für die Leiter konstruieren, sonst wäre ich weder rauf noch runter gekommen… Auch eine Toilette existiert hier, die spottet wie vor 4 Jahren noch immer jeder Beschreibung…

Morgen mehr…

Und weiter gings Richtung…

… Yangster Gompa, Musigaon, Mendo, Tinje nach Chharkhabhot.

IMG_0964

Spektakuläre Erosionsformen in Flusssedimenten bzw. Sandsteinen unterhalb von Peldang. Das Kloster Peldang ist nicht mehr bewohnt, weshalb wir auch keinen Besuch abstatten konnten. Dass kein Lama, keine Mönche oder Nonnen anwesend sind, passiert heutzutage oft in den Klöstern des Dolpos. Wenn eine Familie auf welche Art auch immer zu Geld kommt, so schicken sie den Nachwuchs nach Kathmandu in Internate. Viele dieser Kinder kehren dann nicht mehr zurück.

DSC_0575

Ein typisches Bild im oberen Dolpo: Yakkarawanen, die Güter aus Tibet transportieren. Wir waren keine 10 km von der tibetischen Grenze entfernt.

DSC_0576

Som betrachtet die obige Yakkarawane einigermassen skeptisch. Er lebt in ständiger Furcht, Beat und ich könnten den unberechenbaren Grunzochsen zu nahe kommen… Dann hätte er ein ernsthaftes Problem…

DSC_0577

Nächster Zeltplatz in Niselgaon, in unmittelbarer Nähe von Yangster Gompa, das auch verwaist ist. Unsere Maultiere haben auf diesem Platz reichlich Dünger hinterlassen…

DSC_0581

Und das hier machen unsere Tragtiere nach dem Entladen am liebsten: Sich im Staub wälzen, um den Juckreiz, der durch die Sättel und Lasten entstanden ist, zu lindern.

IMG_0977

Som (links) und Dik Bahadur betrachten den Aufbau des Lagers in Niselgaon.

DSC_0595

Für viele wohl dürr, unwirtlich, ungastlich: Das obere Dolpo. Für mich Traumland schlechthin: Es kann ohne störende Einflüsse im geologischen Buch gelesen werden…

DSC_0596.jpg

Und wieder einmal hiess es: Schuhe und Socken ausziehen und einen Fluss queren.

DSC_0600.jpg

Und bald danach wieder anziehen… Kostet neben Zeit auch oft Nerven, da wir zuerst prüfen müssen, wo ein Fluss überhaupt zu queren sei.

DSC_0605.jpg

Die spektakuläre Schlucht auf dem Weg ins Dorf Musigaon. Auch für Som, Beat und mich war das hier Neuland. Unsere Maultiertreiber kannten den Weg. Der Weg war für die Tragtiere oft schmal und gefährlich abschüssig, insgesamt aber begehbar. In diese Gegend nahe der Grenze zu Tibet verirren sich kaum je Touristen, entsprechend fehlt jegliche touristische Infrastrukur. Dies ist für uns aber auch ganz speziell reizvoll: Ich meide ausgetrampelte Touristenpfade in Nepal eh…

DSC_0607.jpg

Nach 4.5 Stunden Marsch von Niselgaon her: Wir treffen in Musigaon ein.

IMG_0999.jpg

Unsere Mannschaft beim Aufstellen der Zelte in Musigaon.

Morgen fahre ich hier weiter…

 

 

 

Im Kloster Bhijer wurden wir…

… zur Ausführung des nächsten Auftrages, sprich Licht zu installieren erwartet…

In Shey Gompa wollte Beat noch seine Viehhüte-Anlage ausprobieren. Nachdem ein Yak eines unserer lieben Maultiere getreten hatte und wir über eine Stunde mit Desinfizieren der Wunden und Verbände anlegen (meeeterweise Verband bei dieser Leibesfülle…) verbracht hatten, wollte Beat also endgültig die Maultiere schützen:

DSC_0443

Alle harrten gespannt der Dinge, die da kommen sollten… Als das Leittier und damit auch die an ihn angeschmiegten Maultiere einen elektrischen Schlag abbekamen, rannten sie in Panik über den Zaun. Und damit setzte Chhettra dem Treiben ein Ende. Er wollte nicht riskieren, dass die Tiere in Panik ausbrechen und sich aus dem Staub machen würden, sodass diese Hüteaktion einmalig blieb… Beat hatte sich die Sache anders vorgestellt, er rechnete mit der Begeisterung der Nepali über seine Idee, die aber blieben mehr als skeptisch.

IMG_0875

Dolpo high and wild, kurz hinter Shey Gompa auf dem Weiterweg nach Bhijer.

IMG_0880

Und hier die einzige Stromquelle unterwegs in Dolpo auf unseren Rucksäcken: Die unentbehrlichen Solarpanels.

DSC_0459

Unser verrücktestes Maultier unterwegs: Es verging kaum ein Tag ohne das es seine Hinterbeine verwarf. Chhettra und Subash mussten sich oft in Acht nehmen…

DSC_0463

Der exponierteste Teil des Weges zwischen Shey Gompa und Bhijer, abschüssig der Abhang, abheldig der Weg, oft rutschiger Tonschiefer, vor allem in nassem Zustand. Nicht jedermann oder jederfrau Sache. Die Strecke Shey Gompa – Bhijer ist nicht in einem Tag zu schaffen, auch wenn manche Trekkingagenturen dies behaupten. Wir haben die Strecke seit jeher in zwei Etappen bewältigt.

DSC_0468

Unsere Maultiertruppe äusserst trittsicher auf dem genannten Wegabschnitt.

DSC_0475

Und  nochmals Dolpo high and wild oberhalb Bhijer. Hier ist nur der Wind zu hören.

DSC_0483

Und dann rief die Arbeit im Kloster Bhijer: Hier Som und Beat beim Installieren. Auch wenn der Abt des Klosters, Tenzin Lama, in Taiwan weilte, liess er per Telefon über seine Tochter, die im hiesigen Spital arbeitet, wissen, wie sehr er sich über das Geschenk freue. In zwei Jahren kehren ich sicher zurück, Lama Tenzin wird dann anwesend sein. Als Dank hat er für uns über seine Tochter Käse aus der nahegelegenen Käserei organisieren lassen – er hat sehr gemundet.

DSC_0488

Nun sind auch hier die Bilder in bestem Licht zu sehen.

DSC_0494

Das Kloster (links) und angrenzende Häuser von aussen. Das gelbe Zelt ist unsere Duschzelt, wo wir über solarerhitztes Warmwasser in speziellen Säcken mit Brause verfügen. Wie man erkennen kann, ist an Rasttage auch Wäsche waschen angesagt…

DSC_0500

Sung Chiring und Gunaraj am Wäsche waschen. Selbstverständlich von Hand, Waschmaschinen existieren höchstens in den grösseren Städten wie Kathmandu und Pokhara…

IMG_0905

Und am 1. September hiess es dann weiterziehen. Rechts Tashi, die Tochter des Lamas, die für uns die Glücksschleifen für die Abschiedszeremonie vorbereitet.

DSC_0511

Som, Barbara und Beat vor dem Nebengebäude des Klosters, in dem Som und ich im Gästezimmer unterkommen konnten. Beat bevorzugt einen Aufenthalt im Zelt. Bhijer war eines der ganz wenigen Orte, wo wir in einem Haus übernachten konnten.

DSC_0514

Ein Blick zurück ins Tal von Bhijer. Wir wandten uns ostwärts Richtung Saldang, ein nächster, grösserer Ort, der über den Neng La Pass (5368 m) zu erreichen ist.

IMG_0929

Unsere Maultiertruppe beim Aufstieg zum Neng La Pass.

DSC_0523

Unser Lager im High Camp des Neng La Passes (etwa 4900 m). Das Wetter verschlechterte sich an diesem Tage zunehmend, in der Nacht regnete es teilweise in Strömen. Da beginnt man unter Umständen die Tage zu zählen, die noch unterwegs verbleiben… Dies war dann aber definitiv der letzte heftige Regen – bis zum Ende der Expedition blieben wir trocken.

DSC_0524

Beats Zelt (rechts) und Barbaras Zelt (links) am Neng La High Camp. Beat und ich könnten uns kein Zelt teilen, da Beat den chaotischen Typ darstellt und ich die pingelige Organisation bevorzuge (nicht zuletzt wegen meines stark eingeschränkten Gesichtsfeldes). Da wäre bald Feuer im Dach, zumal Beat praktisch jeden Morgen irgendetwas in seinem Durcheinander sucht und ich befürchte, er würde auch in meinen Sachen wühlen… Zudem sind die eigenen Zelte die einzige Rückzugsmöglichkeit, man darf nie vergessen, dass wir über mehrere Wochen auf engstem Raum zusammen leben und auskommen müssen, die Rückzugsmöglichkeit kommt da manchmal sehr zupass…

DSC_0534

Morgenstimmung an Neng La Pass High Camp.

DSC_0550

Som am Neng La Pass. Der Wind wehte dermassen stürmisch, dass wir kaum 5 Minuten blieben.

DSC_0556.jpg

Morgenstimmung im nächsten Lager beim Kloster Peldang, oberhalb Saldang. Den Abstieg nach Saldang konnten wir uns ersparen und die Berge direkt Richtung Yangster Gompa queren. Man sieht endlich den blauen Himmel, er uns erhalten bleiben sollte.

Morgen geht es weiter…

 

Weiter ging die Reise…

… zuerst von Dunai aus auf dem uns schon wohlbekannten Weg zum See Shey Phoksundo und weiter nach Shey Gompa.

IMGP1404

Som und Barbara noch im Regenwald auf etwa 2800 m Höhe beim Aufstieg zum See. Das Foto zeigt die Gegend kurz hinter dem Dörfchen Chepka, wo wir eine Nacht in einer baufälligen Logde verbracht haben.

DSC_0331

Kurz vor dem Örtchen Rechi war der Weg, der extrem nahe des Flusses verläuft, vom im Monsun nochgehenden Fluss überflutet worden. Für unsere Maultiere (Bild) war dies kein Problem, mit ihren langen, schlacksigen Beinen queren diese sicher und zügig jeden Wasserlauf… Som ging schon davon aus, dass wir einen langen Umweg vor uns hätten, war er sich doch nicht sicher, ob alle im teilweise reissenden Bach waten konnten. Ich wurde von Som teilweise getragen (ich kann leider die Filme von Beat nicht online stellen, da diese zu viel Kapazität beanspruchen), teilweise konnte ich untiefe Wassermassen barfuss durchqueren… Kalt war das Wasser keineswegs auf etwa 3000 m Höhe.

DSC_0336

Beat bei einer Rast.

DSC_0347.jpg

Und dann endlich: Blick frei auf den See Shey Phoksundo (3650 m).

IMG_0779

So lässt es sich wahrlich gut leben: Subash, Chhettra (die beiden Maultiertreiber) und Gunaraj ruhen sich vor unserer Logde aus. Das Wetter war uns während den ersten vier Tagen hold gesinnt: Wir hatten höchstend in der Nacht oder am frühen Morgen wenig Regen, die Sonne drückte kräftig durch die Wolken. Subash wurde in Chepka von einem der Maultiere auf den Fuss getreten, die Quetschung verheilte rasch bei Salben, Schmerzmitteleinnahme und einer Fussstütze.

IMG_0792.jpg

Im Dörfchen Ringmo, unmittelbar am See gelegen, rüstet man sich offenbar für einen Touristenansturm: Es werden etwa zehn Lodges neu gebaut. Auch die unsere, wo wir schon 2015 nächtigten, ist noch nicht ganz fertiggestellt. 2011, als ich das erste Mal in der Gegend war, gab es zwei uralte Bruchbuden als Lodges, die schlicht unbeschreiblich waren, auch Beat hat diese 2013 noch erlebt. Wo alle zu erwartenden Touristen auf den Weg von Dunai nach Ringmo unterkommen sollen, ist mir jedenfalls schleierhaft: Es existieren nur kleine Logdes mit wenigen Zimmern unterwegs, die allesamt auch noch schmuddelig wirken. Der See selber kann auf einem einfachen Weg von praktisch jedermann und jederfrau erreicht werden. Nur kurz vor dem See steigt der Weg ausserordentlich steil an.

DSC_0377

Das Kloster am türkisfarbenen See, in dessen unmittelbarer Nähe befinden sich keine Bauplätze…

IMG_0801

Der Weg Richtung des Passes Kang La (5300 m) führt spektakulär dem See entlang. Ab Ringmo ist der Weiterweg ins obere Dolpo nur für geübte Alpinisten begehbar. Das Wetter an diesem Tag war bewölkt und am Ende des Sees konnten wir während eines heftigen Platzregens im Zelt von tibetischen Nomaden dessen Ende abwarten.

IMG_0804

Wenn überhaupt Brücken existieren im oberen Dolpo, dann bestenfalls von dieser Art: Ein rutschiges Brett, dass am Besten seitwärts gequert wird. Ich musste dies alleine schaffen, zwei Personen hätten die Tragkraft des Brettes wohl überstiegen. Im Hintergrund harrt Sung Chiring der Dinge, die noch kommen. Es ist gut gegangen…

DSC_0385

Unser Zeltlager in Sallaghari, normalerweise 2 Stunden vom Seeende entfernt. Da der Fluss vor dem Zeltplatz im Monsun eine Brücke weggeschwemmt hatte und über die Ufer getreten war, mussten wir im Bachbett waten und den Bach sieben Mal queren – ich mal selber watend, mal auf Soms Rücken reitend… 3.5 Stunden hat uns dieser schier endlose Umweg gekostet. Sung Chiring und Santosh gingen im Bach baden, nachdem beide ausgerutscht waren. Eines unserer Walkie-Talkies funktioniert seither nicht mehr, da es nass geworden war. Den beiden ist nichts passiert, in ihrem ersten Schrecken gingen sie davon aus, sie hätten Küchenmaterial verloren, die Zählung später ergab jedoch keine Verluste…

IMG_0820

Am Eingang zur Schlucht, die Richtung Kang La führt: Da gab es im reissenden Gebirgsbach kein Durchkommen mehr für mich: Hier Som als Lastenträger… Ich fühle mich übrigens sehr sicher bei ihm, ein grosszügiges Trinkgeld ist ihm für diese Extraarbeit stets sicher…

IMG_0826

Dik Bahadur, Beats Guide, schaut hier sehr skeptisch: Ob man den Bach an dieser Stelle überqueren kann?

DSC_0388

Beat im Aufstieg in der Schlucht, da wir den Bach mehrere Male queren musste, stieg er einfachheitshalber gleich in den Crocs hoch.

IMG_0833

Som und Barbara beim berühmt-berüchtigten Aufstieg. Der Wind wehte täglich und stürmisch.

IMG_0840.jpg

Die äusserst steile Moräne, die zum Kang La Übergang führt, ein aussergewöhnlich anstrengender Aufstieg auf weit über 5000 m. Der Pass ist nicht Teil eines Gebirgszuges, sondern die tiefste Stelle einer Gletschermoräne.

DSC_0394

Dik Bahadur und Beat auf den letzten Metern vor dem Pass.

DSC_0401

Und dann endlich: Kang La… Die tibetischen Gebetsfähnchen wünschen dem Reisenden Glück auf dem Weg.

DSC_0407

Aussicht von Kang La gegen Norden, gegen das obere Dolpo: Deswegen liebe ich Dolpo so sehr – Berge so weit das Auge reicht, Vegetationslosigkeit und offene Geologie, Stille, tiefe Ruhe, Abgeschiedenheit und Zeitlosigkeit, Land des Schneeleoparden, dessen Spuren ich oft gesehen, ihm aber leider noch nie persönlich begegnet bin.

IMG_0848

Auf dem Abstieg nach Shey Gompa – dem Kloster, wo wir vor zwei Jahren Solarpanels und Licht installiert haben.

DSC_0409

Und dann endlich gegen 14 Uhr nachmittags – nach 6.5 Stunden Marsch: Shey Gompa.

IMG_0862

Som inspiziert die von uns installierten Solarpanels auf dem Dach des Klosters.

DSC_0415

Auch das Licht funktioniert nach wie vor.

DSC_0420

Nun können endlich die wunderschönen Gemälde gebührend beleuchtet und photographiert werden.

Morgen mehr…

Seit vorgestern zurück in Kathmandu…

… und der Stress begann… Da im Vorfeld des grossen Festivals in Nepal, Dashain, schon Ferien allenthalben beginnen, war an der Tribhuvan Universität gestern niemand zu erreichen. Von meinem Kollegen in der Geologie der obgenannten Uni, Ananta Gajurel, habe ich erfahren, dass mein Antrag für ein Research Visum wohl genehmigt wird. Nun seien die Unterlagen wieder am Departement für Internationale Beziehungen und da hätten Som und ich gerne gewusst, wie es weitergehe. Ich befürchte nun, dass ich auch dieses Mal das erwünschte Visum nicht erhalten werde, sondern erst im April/Mai 2018, wenn ich nach Nepal zurückkehre…

So waren wir gestern nur auf meiner Bank, da mein Online-Konto nicht funktioniert und ich war auch noch in „meinem“ Schönheitssalon, der Beat auch gut getan hätte… Er sei „wüst“ genug, hat er mir ausgerichtet…

Heute geht es mit Einkaufen weiter, zudem haben wir alle Mitglieder unserer Expeditionsmannschaft, die noch in Kathmandu weilen, zum Mittagessen eingeladen, wo wir auch die Trinkgelder für eine ausserordentlich zuverlässige Arbeit entrichten werden. Unsere Koch, Sung Chiring Rai, und Beats Guide, Dik Bahadur Rai, sind bereits nach Hause zurückgekehrt. Sung Chiring Rais Frau soll dem Vernehmen nach schwanger sein.

So werden wir Santosh Rai, Raj Man Rai und Gunaraj Rai heute nochmals sehen. Und dann wohl im April nächsten Jahres wieder. Alle würden gerne wieder mit uns in die Berge ziehen, die Schweizer Schokolade und andere Köstlichkeiten haben gemundet…

Hier mal erste Bilder unserer Expedition teilweise wahrlich ins Unbekannte:

IMG_0645

Noch glücklich in Kathmandu beim Einkaufen im Touristenviertel Thamel (Som und Barbara ) vor der Abreise am 15.8. mit dem Jeep nach Pokhara. Som sollte das Lachen noch gründlich vergehen, denn wie bereits kurz berichtet, war die Helikopterfirma „Air Dynasty“ wirklich „nasty“ auf englisch (zu deutsch: eklig, fies), denn Beat und ich konnten beim besten Willen, keine service- oder kundenorientierung erkennen: Am Mittwoch dem 16. August hätten wir nach Dunai (Dolpo) fliegen sollen und zwar mit einem Helikopter, da der Flughafen in Juphal nach wie vor geschlossen war (Grund wie meist unbekannt…). Unsere Mannschaft bestehend aus Sung Chiring Rai (Koch), Dik Bahadur Rai (Beats Guide), Santosh Rai, Raj Man Rai und Gunaraj Rai (Küchengehilfen und Träger) waren seit dem 14.8. in Dunai (angereist auf dem Landweg) und warteten da ebenso wie unsere 9 Maultiere und deren Treiber (Chhettra Bahadur Chettry und Subash Chettry). Am Mittwoch Morgen wurden wir gegen 10 Uhr auf den Flughafen bestellt, aber in Nepal weiss schliesslich jedes Kind, dass im Monsun (Dolpo ist zwar durch die diversen Ketten des Himalaya wohl vor dem Monsun geschützt, nicht jedoch Pokhara und Teile des Flugweges), zwingend so früh wie nur irgendwie möglich geflogen werden muss. Ich wunderte mich erst, sagte jedoch nichts zu Som, der das auch hätte wissen müssen, da ich mich nicht von Beginn weg unbeliebt machen wollte, indem ich mich als Besserwisser aufgeführt hätte. Ich habe mein Schweigen noch bitter bereut…

So wurde morgens um 10 Uhr unsere gesamte Fracht samt Passagieren gewogen. Ursprünglich waren uns 600 kg Fracht (inkl. Passagiere) zugestanden worden, später dann nur noch 450 kg. Beat und ich wunderten uns hierüber, da ein Helikopter des vorgesehenen Modells gesamthaft maximal 2100 kg wiegen kann, wie wir über die Homepage von Air Dynasty und von Beats Schwager Jürg in Erfahrung bringen konnten. Und nach der Wägezeremonie begann auch das Gezeter: Wir hätten 25 kg zuviel Gepäck (475 kg) und deshalb wäre das Fluggerät überladen und wir könnten weniger Kerosin transportieren und müssten zwischenlanden und dann müssten wir eine Flugstunden mehr berappen. Für Beat und mich war klar: Da geht es um Geld, bzw. Mehreinnnahmen. Som wehrte sich mit Händen und Füssen und als es plötzlich hiess, das Wetter sie klar genug zum Flug, rannten alle Richtung Heli, als wäre nichts weiter gesehehen… Die Freude währte nicht lange: Kaum waren wir startklar, wurde die Starterlaubnis aus Wettergründen zurückgezogen. Als zurück in Flughafengebäude, wo das Gezeter um die 25 kg weiterging. Da habe ich mich zu ersten Mal (und beileibe nicht das letzte Mal) eingemischt, indem ich dem verdutzten Mitglied der Groundstaff vorgerechnet habe, dass das besagte Fluggerät wohl eine Toleranz von mehreren Prozent der Höchstgewichtes aufwiese und die 25 kg unwesentlich mehr als einem Promille der Höchstlast entspreche. Von Physik jedenfalls schien der Typ noch nie etwas gehört zu haben. Von nun an war eben das Wetter schuld, dass wir nicht abheben konnten. In Tat und Wahrheit wollte die Staff der Air Dynasty (ausgenommen der Pilot, mit dem wir uns gut verstanden) wohl einfach das Geld kassieren (4000 US$) und keinen Service liefern. Som hielt sich nobel zurück und wurde von mir und Beat deswegen hart an die Kandare genommen, denn nachdem wir einen Flugversuch am Mittwoch Nachmittag abbrechen mussten, kehrten wir wohl oder übel ins Hotel zurück – Beat und ich sind aufgrund einer Bemerkung des Piloten über Kopfhörer sicher, dass wir am frühen Morgen hätten fliegen können. Das reichte, dass Beat und ich Som auf die Nerven gingen, er solle sich mal als verantwortlicher Guide um ein anständiges Verhalten der Groundstaff bemühen. Som zeigt gewöhnlicherweise nicht eben viel Zivilcourage, bzw. geht Streit aus dem Weg. Den Streit haben Beat und ich mit der Air Dynasty denn besorgt. In den nunmehr 30 Jahren, in denen ich mich in Nepal aufhalte, habe ich wirklich nie ein derart freches Benehmen erlebt, dass nur darauf ausgerichtet war, Geld zu kassieren und nichts hierfür zu leisten.

Am Donnerstag war schon am Morgen und aufgrund des Wetters klar: Heute kann nicht geflogen werden. Wohl waren wir am Morgen zeitig am Flughafen, ich telefonierte noch mit unserem Kollegen Suraj Thapa Chettry, auch er Helipilot, der einst für Air Dynasty gearbeitet hatte und sofort mit dem Piloten Kontakt aufnahm. Am späten Donnerstag Nachmittag unterhielt ich mich auch noch mit einem Kollegen in Kathmandu, Krishna Manandhar, den Meteorologen. Er studierte unmittelbar nach dem Anruf seine Wetterkarten und liess mich wissen, dass es nur ein Zeifenster am Freitag Morgen, 18.8., möglichst früh gab, um nach Dunai zu kommen. Nachdem es nochmals ein riesiges Gezeter am Freitag Morgen am Flughafen in Pokhara um ein Armeesackmesser in meinem Gepäck gegeben hatte, hoben wir tatsächlich um 9 Uhr ab und sind um 10.10 Uhr zur Erleichterung der ganzen Mannschaft glücklich in Dunai gelandet, bei meist schönem Wetter unterwegs… Som konnte jetzt wieder lächeln, nachdem er in Pokhara oft den Tränen nahe war, denn am Freitag Morgen mussten Beat und ich der Air Dynasty ernsthaft drohen, den Flug überhaupt zu annulieren, falls jetzt nicht nach unseren Vorstellungen gehandelt werde – die Drohung scheint Wirkung gezeigt zu haben…

IMG_0654

Som und Barbara beim Warten vor dem Heli am Flughafen Pokhara.

IMG_0673

Und dann endlich: Barbara im Helikopter vorne neben dem Piloten.

IMGP1395

Die Mannschaft in Dunai beim Einpacken der Lebensmittel am 18.8. Von links stehend: Santosh, Raj Man, Sung Chiring, Beat, Dik Bahadur. Von links hockend: Som und der Maultierbesitzer.

IMGP1398

Som wieder entspannt unterwegs kurz hinter Dunai.

IMGP1413

Auch unsere Mannschaft konnte wieder lachen: Chhettra (Chef der Maultiertreiber), Gunaraj, Raj Man, Santosh und Sung Chiring (von links).

Morgen mehr, ich kann jetzt kaum mehr sitzen oder am Computer arbeiten.

Seit gestern wieder in Pokhara…

… Ankunft abends um 18 Uhr, also in der Stadt, in der mit dem Helikopterflug alles begonnen hatte. Wie berichtet wurde, hatten Beat und ich jedwede Probleme, mit der Helifirma „Air Dynasty“ überhaupt transportiert zu werden, denn der Flug war im Voraus bezahlt worden und so schien es uns, dass keiner der Angestellten, ausser dem Piloten, Lust hatte, irgendetwas durchzuführen…
Die Fahrten mit dem Jeep von Lo Manthang bis nach Jomsom und gestern mit einem weiteren Jeep nach Pokhara erfolgten auf fahrbaren, vom Monsoon aufgeweichten Pisten, die oft jeglicher Beschreibung spotteten. Auch Abschnitte in Bachläufen waren darunter.
Nachdem wir den über vier Wochen dauernden Trekk ausserordentlich gut überstanden hatten, mussten wir den Jeepfahrer gestern ordentlich an die Kandare nehmen. Er hatte schlicht keine Ahnung, wie eine Dachlast zu befestigen sei, bzw. welche Geschwindigkeiten einzuhalten seien. Als Som ihm noch helfen wollte, hatte der auch noch sein Fett abgekriegt… Som hat wohl begriffen inzwischen, wie idiotisch er und der Fahrer gehandelt haben. Ich habe in 30 Jahren, in denen ich mich in Nepal aufgehalten habe, nie einen derart stupiden Fahrer erlebt. Und es wird sicher der letzte dieser Art gewesen sein, dafür werde ich sorgen, Som ist gewarnt.

Heute bleiben wir noch in Pokhara zum Relaxen, Som ist am Wäsche waschen, meine Dreckkleider werde ich im Hotel in Kathmandu zum Reinigen geben. Morgen fahren wir nach Kathmandu und am Freitag geht da der Stress los: Da in ein paar Tagen die wichtigsten Feiertage in Nepal beginnen (Dashain), muss ich am Freitag noch zur Bank und an die Universität. Deshalb werde ich erst am Samstag Bilder publizieren können…

Zivilisation

Gestern noch sind alle spät in Ghemi eingetroffen. Gerade die Tiere waren bestimmt sehr froh, die Strecke ist nur bedingt maultiertauglich, scheinen es aber gut überstanden zu haben. Sie sind nun mit der Mannschaft auf dem Rückweg nach Dunai.
Heute nun sind Beat, Som und Barbara in Lo Mantang eingetroffen. Generell ist wieder der pralle Luxus gegenwärtig, nämlich Hotels mit westlicher Toilette und heisser Dusche. Auch das normale Natelnetz ist wieder existent.
Der Plan ist, morgen noch einen Tag Rast zu machen. Es gibt da offenbar noch ein Kuddelmuddel bezüglich der genehmigten Reisetage. Je nach dem wird auch schon morgen nach Jomsom weitergefahren. Darauf folgt mehr oder weniger direkt die Fahrt nach Pokhara. Barbara wird den Blog dann wieder übernehmen.